Liebe Familie, liebe Freunde,liebe Weggefährten, liebe Musikerinnen und Musiker,liebe Freunde des Jazz Club Mönchengladbach,
es gibt Menschen, über die man spricht, wenn sie gegangen sind, und man sucht dabei nach den richtigen Worten.
Und dann gibt es Menschen, bei denen man irgendwann merkt:Die richtigen Worte wird es niemals geben.
Nicolas Simion war so ein Mensch.
Wenn wir an Nicolas denken, dann denken wir zuerst an einen Menschen, der jedem, wirklich jedem, mit einer außergewöhnlichen Würde begegnet ist.
Es spielte keine Rolle, wer vor ihm stand.Ob jemand seit Jahrzehnten auf der Bühne stand oder zum ersten Mal einen Jazzclub betrat.Ob jemand bekannt war oder völlig unbekannt.
Nicolas sah den Menschen.
Und er begegnete ihm mit Respekt.
Nicht als Floskel. Nicht aus Höflichkeit. Sondern aus einer tiefen, selbstverständlichen Haltung heraus.
Er hatte diese seltene Fähigkeit, einem Menschen das Gefühl zu geben:Du bist wichtig. Ich sehe dich. Ich höre dir zu.
Er musste niemanden klein machen, um selbst groß zu sein.
Und vielleicht ist genau das eine der größten Formen von Größe, die ein Mensch erreichen kann.
Nicolas war groß.
Als Mensch.
Und als Musiker war er noch einmal auf eine ganz andere Weise außergewöhnlich.
Wenn Nicolas sein Saxophon nahm, war da nicht einfach ein Musiker, der sein Instrument beherrschte.
Da war ein Mensch, der etwas zu erzählen hatte.
Sein Saxophon war keine Demonstration von Können. Es war seine Sprache.
Und manchmal hatte man das Gefühl, dass Nicolas Dinge mit seinem Saxophon sagen konnte, für die unsere menschliche Sprache viel zu klein ist.
Sein Spiel konnte kraftvoll sein, zart, frei, voller Leben.
Aber vor allem war es persönlich.
Es war Nicolas.
Und wir vom Jazz Club Mönchengladbach durften dieses Geschenk immer wieder erleben.
Wir durften mit Nicolas einige der großartigsten Konzerte feiern, die wir je erleben durften.
Dafür sind wir heute nicht nur traurig.
Dafür sind wir vor allem dankbar.
Dankbar, dass wir ihn auf unserer Bühne erleben durften.
Dankbar für die Musik, die er uns geschenkt hat.
Dankbar für die Abende, an denen aus einem Konzert mehr wurde als eine Veranstaltung.
Es wurden Begegnungen.
Gemeinsame Momente.
Erinnerungen.
Momente, von denen man manchmal schon während des Konzerts wusste:Diesen Abend werden wir nicht vergessen.
Und heute wissen wir, wie kostbar solche Momente waren.
Wir wissen, dass wir sie nicht zurückholen können.
Aber wir wissen auch, dass sie uns niemand nehmen kann.
Die Musik ist verklungen.
Der Abend ist vorbei.
Aber was Nicolas an diesen Abenden in uns hinterlassen hat, bleibt.
Vielleicht ist das eines der schönsten Dinge, die Musik überhaupt vermag:
Sie endet – und bleibt trotzdem.
Ein Ton verklingt.
Aber ein Gefühl bleibt.
Ein Konzert endet.
Aber eine Erinnerung bleibt.
Und ein Mensch geht.
Aber das, was er anderen Menschen gegeben hat, kann bleiben.
Nicolas hat uns viel gegeben.
Als Musiker.
Als Künstler.
Aber vielleicht noch mehr als Mensch.
Er hat uns gezeigt, dass Größe nichts mit Lautstärke zu tun hat.
Dass ein großer Künstler nicht nur daran gemessen wird, wie großartig er auf der Bühne ist, sondern auch daran, wie er den Menschen begegnet, wenn die Musik vorbei ist.
Und Nicolas war auch dann groß.
Vielleicht gerade dann.
Nach einem Konzert, im Gespräch, hinter der Bühne, im Club, irgendwo zwischen Musikern und Gästen – da war diese besondere Wärme.
Diese Offenheit.
Diese Menschlichkeit.
Nicolas hat Menschen nicht nach ihrem Namen, ihrer Bedeutung oder ihrem Können behandelt.
Er behandelte sie mit Würde.
Jeden Menschen.
Und genau deshalb hinterlässt er eine Lücke, die weit größer ist als die Lücke, die ein Saxophonist auf einer Bühne hinterlässt.
Wir verlieren einen außergewöhnlichen Musiker.
Aber wir verlieren vor allem einen außergewöhnlichen Menschen.
Wir werden Nicolas vermissen.
Wir werden sein Saxophon vermissen.
Wir werden seine Art vermissen, einen Raum mit Musik zu füllen.
Wir werden ihn vermissen, wenn wieder ein Konzert beginnt und für einen kurzen Moment der Gedanke kommt:
Jetzt müsste eigentlich Nicolas hier stehen.
Und vielleicht wird genau dann etwas von ihm zurückkommen.
Denn große Musiker verschwinden nicht vollständig.
Ihre Musik bleibt.
Sie bleibt in den Menschen, die sie gehört haben.
Sie bleibt in den Musikern, die durch sie inspiriert wurden.
Sie bleibt in den Konzerten, von denen wir erzählen werden.
Und sie bleibt in den Geschichten, die wir über Nicolas weitergeben werden.
Aber große Menschen bleiben auf eine noch tiefere Weise.
Sie bleiben darin, wie sie uns verändert haben.
Nicolas hat uns daran erinnert, was Menschlichkeit bedeutet.
Was Respekt bedeutet.
Was es bedeutet, einem anderen Menschen wirklich zu begegnen.
Und vielleicht ist genau das sein größtes Vermächtnis.
Nicht nur die Musik, die er gespielt hat.
Sondern die Art, wie er gelebt hat.
Nicolas,
wir vom Jazz Club Mönchengladbach sagen heute nicht nur Lebewohl.
Wir sagen Danke.
Danke für deine Musik.
Danke für dein Saxophon.
Danke für die großartigen Konzerte, die wir gemeinsam mit dir feiern durften.
Danke für die Abende, die zu Erinnerungen geworden sind.
Danke für dein Vertrauen.
Danke für deine Wärme.
Danke dafür, dass du so vielen Menschen das Gefühl gegeben hast, willkommen zu sein.
Und danke dafür, dass wir dich kennenlernen und ein Stück deines Weges mit dir gehen durften.
Wir hätten uns gewünscht, dass dieser Weg noch sehr viel länger gewesen wäre.
Aber wir sind dankbar für jeden einzelnen Abend.
Für jeden Ton.
Für jedes Gespräch.
Für jedes Lächeln.
Für jeden gemeinsamen Moment.
Und wenn irgendwann wieder ein Saxophon im Jazz Club erklingt und wir für einen Augenblick innehalten, dann werden wir an dich denken.
Vielleicht werden wir dann traurig sein.
Vielleicht werden wir lächeln.
Wahrscheinlich beides.
Denn so ist Erinnerung.
Sie tut weh, weil uns jemand fehlt.
Und sie ist kostbar, weil dieser Mensch einmal da war.
Nicolas, du warst da.
Und was für ein Glück das war.
Mach`s gut.
Deine Musik bleibt.
Und du bleibst in unseren Herzen.
Danke, Nicolas.